Der Europäische Forschungsraum

Eine Europakarte mit roten Stecknadeln, die in verschiedene Länder gepint sind.

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Der Europäische Forschungsraum (EFR) steht für einen gemeinsamen Raum der EU-Mitgliedstaaten für Forschung und Innovation. Forschende, wissenschaftliche Erkenntnisse und Technologien sollen frei zirkulieren. Ein wichtiger Baustein ist das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizont 2020. Hier werden Fördermittel für europäische Forschungsprojekte vergeben. Die Förderung folgt den Zielen und Grundsätzen des Europäischen Forschungsraums.

Grundlagen des EFR

Die Historie in Kürze: Erste Initiativen zu einem Europäischen Forschungsraum gab es bereits Anfang der 1970er Jahre. Das Konzept wurde beständig weiter entwickelt. Ein Meilenstein war die Kommissionsmitteilung "Hin zu einem Europäischen Forschungsraum" aus dem Jahr 2000. Im Rahmen der Lissabon-Strategie 2000 - 2010 wurde der Europäische Forschungsraum damit zum zentralen Leitgedanken für die Ausrichtung der Maßnahmen der Europäischen Union im Bereich der Forschung und richtungweisend für die Ausgestaltung der Fördermaßnahmen in den Rahmenprogrammen der EU für Forschung und Innovation. Die Europa-2020-Strategie (2010 - 2020) mit ihrer Leitinitiative Innovationsunion setzt den Kurs auf "Innovation" und den Fokus auf "Impact". Der Beitrag von Forschung und Entwicklung zur Wirtschaftskraft rückt damit stärker in den Vordergrund.

Mit Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon im Dezember 2009 ist die Verwirklichung des Europäischen Forschungsraums ein primärrechtlich verankertes Ziel der Europäischen Union (Artikel 179 AEUV) – eine wichtige Zäsur, denn: Die Umsetzung des Europäischen Forschungsraums wurde damit zur vertraglichen Aufgabe der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten.

Was ist der Europäische Forschungsraum heute? Das definieren die Kommissionsmitteilungen "Eine verstärkte Partnerschaft im Europäischen Forschungsraum im Zeichen von Exzellenz und Wachstum" vom Juli 2012 und "Verbesserung und Fokussierung der internationalen Zusammenarbeit der EU in Forschung und Innovation: ein strategischer Ansatz" vom September 2012. Sie fokussieren auf sechs Prioritäten:

  1. Effektivere nationale Forschungssysteme
  2. Optimale länderübergreifende Zusammenarbeit und entsprechender Wettbewerb (Gemeinsame Programmplanung, Forschungsinfrastrukturen)
  3. Offener Arbeitsmarkt für Forscher
  4. Gleichstellung der Geschlechter und Berücksichtigung des Gleichstellungsaspektes
  5. Optimaler Austausch von, Zugang zu und Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen
  6. Internationale Zusammenarbeit
     

EFR-Fahrplan der Mitgliedstaaten (engl. ERA Roadmap 2015 - 2020)

Ob der Europäische Forschungsraum gelingt, hängt wesentlich vom Engagement der Mitgliedstaaten ab. Denn die wichtigsten Strukturreformen können nur national umgesetzt werden. Die Mitgliedstaaten haben sich daher 2015 auf einen gemeinsamen Fahrplan zur Umsetzung des EFR geeinigt und beschlossen, jeweils nationale EFR-Aktionspläne aufzustellen. Deutschland hat dazu 2014 die Strategie der Bundesregierung zum Europäischen Forschungsraum mit mehr als 40 Maßnahmen verabschiedet.

Digitaler Forschungsraum

Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen und Wege, Wissenschaft und Innovation voranzutreiben. Brisant sind aktuell die Initiativen "Open Innovation", "Open Science" und "Open to the World", die bereits in den Kommissionmitteilungen von 2012 angelegt sind.

"Open Science" steht für einen offenen, durch möglichst wenige technische, rechtliche, zeitliche, regionale und finanzielle Hürden erschwerten Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen, wie Publikationen, Forschungsdaten und wissenschaftlicher Software. Offener Zugang bedeutet auch, dass neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern grundsätzlich auch Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen auf die Ergebnisse zugreifen können, um diese zu nutzen oder sich am wissenschaftlichen Prozess zu beteiligen.

"Open Innovation" bedeutet eine bewusste Öffnung des unternehmensinternen Innovationsprozesses zur Außenwelt, d. h. die strategische Einbindung von Kunden, Lieferanten, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Wettbewerbern und anderen Interessensgruppen in die Produkt- und Dienstleistungsentwicklung. Dadurch gelangt neues Wissen von außen in die Unternehmensorganisation ("outside-in Open Innovation"), gleichzeitig wird Wissen systematisch nach außen verbreitet, zum Beispiel durch Lizensierungen ("inside-out Open Innovation").

"Open to the World" steht für Europas Zugang zur globalen Wissensgesellschaft und zu den weltweit besten Talenten. Europäische Studierende, Promovierende und Forschende sollen weltweit Erfahrungen sammeln und nachhaltige Netzwerke mit ihren internationalen Partnern aufbauen. Und Europa selbst soll ein attraktives Ziel für die "besten Köpfe" der Welt sein. Die Europäische Kommission hat unter den Begriffen "Open to the World" und "Science Diplomacy" (dt. Wissenschaftsdiplomatie) die wissenschaftlichen Außenbeziehungen der Europäischen Union zur forschungspolitischen Priorität erklärt. Wissenschaftsdiplomatie wird somit zur wichtigen Triebfeder der internationalen Zusammenarbeit.