FET Flagships

Eine weiße Leiter ragt in einen blauen Himmel hinauf

Adressierung großer interdisziplinärer FuE-Herausforderungen (FET Flagships)

Die FET Flagships sind ehrgeizige, agenda-basierte Forschungsinitiativen, die auf zehn Jahre angelegt sind. Ziel ist es, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anzuziehen und dauerhaft europäische Exzellenzzentren zu etablieren, die auf ihrem Gebiet weltweit führend sind. Seit Januar 2013 laufen zwei FET Flagships:

  • Human Brain Project (HBP): Ziel ist es, mit Hilfe der Integration neurowissenschaftlicher Daten und Methoden aus unterschiedlichsten Disziplinen, ein neues Verständnis des Gehirns zu erlangen, neuartige Behandlungsmöglichkeiten für Hirnkrankheiten zu erforschen und neue biologisch inspirierte Computertechnologien zu entwickeln.
    Koordinator: Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (Schweiz).
    Deutsche Beteiligung im Leitungsteam: Universität Heidelberg, Forschungszentrum Jülich, TU München.
  • Graphene Flagship: Ziel ist die rasche wirtschaftliche Nutzung von Graphen und ähnlichen zwei-dimensionalen Materialien in den Bereichen Informations- und Telekommunikationstechnologie, Materialwissenschaft, Energie- und Lebenswissenschaften. Das Konsortium wird federführend durch die Chalmers University of Technology (Schweden) koordiniert. Aus Deutschland sind 27 Partner, darunter die Max-Planck-Gesellschaft sowie namhafte Universitäten und Unternehmen, beteiligt.

Im September 2014 veröffentlichte die Kommission ein Arbeitsdokument der Kommissionsdienststellen, das die Umsetzung der Flagships in Horizont 2020 skizziert. Darin werden Arbeitsweise und Governance für die beiden FET Flagships beschrieben, das heißt vor allem die Kooperation der großen Kernprojekte mit unterstützenden Partnerprojekten. Die FET Flagships werden durch Maßnahmen des ERA-Nets FLAG-ERA unterstützt.

Vorbereitung eines FET Flagship zu Quantentechnologie

Im April 2016 kündigte die Europäische Kommission in ihrer Mitteilung zur Europäischen Cloud-Initiative den Start eines weiteren Flagships zur Quantentechnologie an. 2018 soll dafür die Aufbauphase (ramp-up) beginnen. Ziel ist, die neuen Entwicklungen im Bereich der Quantentechnologie zu beschleunigen und damit die Grundlage für die Hochleistungsrechner der nächsten Generation zu bilden. Weitere Informationen zum Hintergrund und den Zielen des geplanten Flagships finden sich auf der Webseite der Europäischen Kommission und im „Quantum Manifesto“, einem von der Wissenschaftscommunity initiiertem Hintergrundpapier.

Zur Vorbereitung des geplanten FET Flagships zur Quantentechnologie hat die Europäische Kommission im August 2016 ein High Level Steering Commitee eingerichtet. Seine Aufgabe ist es, eine strategische Forschungsagenda für das neue Flagship, sowie einen Vorschlag für die Implementierung und die Entscheidungsstrukturen (Governance) zu erarbeiten. Den Vorsitz hat Prof. Jürgen Mlynek. Ein erstes Treffen der 25 hochrangigen Expertinnen und Experten hat am 20. September 2016 in Brüssel stattgefunden. Die Ergebnisse wurden auf der Webseite von QUROPE veröffentlicht. Dort finden sich auch die Präsentationen und die protokollierten Redebeiträge einer am 10. November 2016 in Berlin durchgeführten Fachkonferenz, die als Plattform für einen Austausch in der wissenschaftlichen Community zu einem Quanten-Flagship stattgefunden hat.

Im Februar 2017 stellte die Expertengruppe in einem Zwischenbericht ihre, im engen Austausch mit der Quanten-Fachcommunity, erarbeitete strategische Forschungsagenda für das Quanten-Flagship vor. Fünf Forschungsbereiche sollen die wissenschaftlichen Schwerpunkte des Flagships bilden. Vier vertikale Säulen adressieren zentrale Aspekte wissensbasierter Anwendungen:

  • Communication: Entwicklung von Quantenkryptographie und sicheren quantenbasierten Übertragungsprotokollen für mehr Sicherheit in der Informationsgesellschaft.
  • Computation: Entwicklung neuer programmierbarer Quantenrechner mit enormer Rechenkapazität für neue Lösungen.
  • Simulation: Entwicklung kontrollierter analoger und digitaler Quantensysteme mit dem Ziel, grundlegende naturwissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten oder neue Materialien zu entwickeln.
  • Sensing and Metrology: Erreichen einer neuen Sensitivität und Genauigkeit in Diagnostik und Messtechnik.

Sie werden flankiert von einer stark themenübergreifenden, breit angelegten Grundlagenforschung. Die hier entwickelten Materialien, Prozesse und die in Experimenten nachgewiesenen Funktionen und Gesetze werden die Grundlage für die Entwicklung weiterer Anwendungen schaffen.

Im Februar 2017 stellte die Expertengruppe in einem Zwischenbericht ihre, im engen Austausch mit der Quanten-Fachcommunity, erarbeitete strategische Forschungsagenda für das Quanten-Flagship vor. Die vier Punkte Communication, Computation, Simulation, Sensing and Metrology adressieren zentrale Aspekte wissensbasierter Anwendungen.

Grafik: Vier vertikale Säulen adressieren zentrale Aspekte wissensbasierter Anwendungen, aus dem Zwischenbericht der Quantum Flagship High-Level expert group.

Die hochrangige Expertengruppe hat auch Ideen für die Ausgestaltung der dreijährigen Ramp-up-Phase vorgelegt. Dafür wurden zunächst Leitprinzipien zur Durchführung und zur Auswahl der zu fördernden Projekte formuliert, sowie konkrete Vorschläge zur Umsetzung unterbreitet. Schon vor dem Start der ersten, in Horizont 2020 geförderten Projekte auf nationaler und europäischer Ebene sollen Voraussetzungen für den reibungslosen und schnellen Start des Flagships geschaffen werden. Eine Schlüsselrolle kommt dem ERA-Net QuantERA zu, das nationale Ressourcen und den Aufbau neuer Infrastrukturen koordinieren soll. Anstelle eines Kern-Konsortiums nach dem Vorbild der vorangegangenen Flagships, sprechen sich die Expertinnen und Experten für die Förderung ambitionierter, zielgerichteter Forschungs- und Innovationsmaßnahmen aus, die sich an den Zielen und Themen der strategischen Forschungsagenda ausrichten. Die Ausschreibungen sollen Teil des neuen FET Arbeitsprogramms 2018-2020 sein und im Herbst 2017 veröffentlicht werden. Ab Frühjahr 2018 könnten demnach Vorschläge eingereicht werden. Anfang 2019 könnten dann die ersten Flagship-Projekte starten.

Öffentliche Konsultation 2016 für weitere FET Flasgships

Ebenfalls 2016 startete die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation, die insgesamt 24 Vorschläge für neue FET Flagships hervorbrachte. Alle Vorschläge adressierten große gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit. Viele der Vorschläge sind hinsichtlich ihrer Reichweite und Ambition geeignete Kandidaten für ein Flagship. Am 15.12.2016 trafen sich auf Einladung von Kommissar Öttinger hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Mitgliedstaaten, Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, Unternehmen und Verbänden um über die Ergebnisse der Online-Konsultation zu diskutieren.

Man einigte sich auf drei Themenbereiche, die für zukünftige FET Flagships relevant sind:

  • ICT and Connected Society
  • Health and the Life Sciences
  • Energy, Environment and Climate change

Zu diesen Themenbereichen plant die Europäische Kommission  die Vorbereitung neuer Flagships noch während der Laufzeit von Horizont 2020 anzustoßen. Für 2018 werden entsprechende Calls erwartet. Genaue Informationen zu den Inhalten der Ausschreibung und zu den Themen werden im Arbeitsprogramm 2018-2020 veröffentlicht