She Figures 2024 veröffentlicht

Pünktlich am 11. Februar 2025, dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft, hat die Europäische Kommission die "She Figures 2024" veröffentlicht.

Pünktlich am 11. Februar 2025, dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft, hat die Europäische Kommission die "She Figures 2024" veröffentlicht (Volltitel: "She Figures 2024. Gender in Research and Innovation: Statistics and Indicators). Dazu Ekaterina Zaharieva, EU-Kommissarin für Startups, Forschung und Innovation: "Der She-Figures-Bericht ist ein Weckruf: Frauen treiben den Fortschritt in der Bildung voran, stoßen aber immer noch auf zu viele Hindernisse in Forschung, Innovation und Führung. Das müssen wir ändern – nicht nur, weil es fair ist, sondern weil die Zukunft Europas davon abhängt. Ein wirklich wettbewerbsfähiges und innovatives Europa ist ein Europa, in dem jeder Geist, unabhängig vom Geschlecht, die Chance hat, sich zu entfalten."

Der Bericht zeigt: Die Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Innovation in Europa kommt nicht schnell genug voran; Frauen sind bei Karrieren und in Führungspositionen in Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwesen und Mathematik nach wie vor auffallend unterrepräsentiert.

Die She Figures 2024 mit ihren inzwischen 468 Seiten sind (wie frühere Ausgaben) in 7 Kapitel gegliedert, die der chronologischen Abfolge einer Forschungskarriere entsprechen sollen. Vorangestellt ist eine Executive Summary (ab Seite 10); der Bericht wird mit einem Annex abgeschlossen.

  1. Introduction (einschließlich Informationen zum neuen Index),
  2. The pool of graduate talent,
  3. Participation in science and technology occupations,
  4. Labour market participation of researchers,
  5. Working conditions of researchers,
  6. Career advancement and participation in decision-making,
  7. Research and innovation output.

Neu an der aktuellen Ausgabe ist der She Figures Index (im Bericht ab Seite 17). Darin fließen sechs Dimensionen für Ungleichheit ein: "segregation in the talent pipeline, research careers and sectors; career progression, representation in decision-making positions, research participation, and the gender dimension in R&I content (GDRIC)". Mehr zu der Methode steht in einem gesonderten Handbuch. Mittels dieses neuen Index soll es künftig möglich sein, den Fortschritt der Mitgliedstaaten hinsichtlich Geschlechtergleichstellung in Forschung und Innovation zu messen und im Zeitablauf zu verfolgen. Die Indexwerte beziehen sich auf die für die She Figures 2024 verwendeten Daten; der Index wurde auf Basis weiter zurückliegender Daten auch für 2021 berechnet, um bereits den Fortschritt messen zu können.

Die Indexwerte können für jede der Dimensionen theoretisch von 0 bis 100 betragen, wobei 100 bedeuten würde, dass Geschlechtergleichstellung vollkommen erreicht ist. Der She Figures Index 2021 bewegte sich noch zwischen 56 und 88 Punkten; für 2024 hat sich das Spektrum leicht verringert auf 60 bis 88 Punkte. Deutschland teilt sich mit einem Wert von 62,8 den drittletzten Platz zusammen mit Malta, kurz vor Zypern mit 62,7 und Luxemburg mit 60,1 Punkten. Den höchsten Wert erreicht Schweden mit 87,6 Punkten.

Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden Deutschlands in diesem Index ist die sehr niedrige Bewertung der "Gender dimension in research and innovation content" (GDRIC) mit nur 14,2 Punkten (zum Vergleich: an Schweden wird hier die volle Punktzahl von 100 vergeben). Damit wird die besonders hohe Verbesserung in Deutschland in der Dimension "decision-making" um 26 Punkte und die solide Verbesserung in der Dimension "career progression" um 6,5 Punkte faktisch zunichte gemacht.

Wesentliche Ergebnisse des Berichts aus Sicht der Kontaktstelle Frauen in die EU-Forschung (FiF):

  • Frauenanteil an wissenschaftlichem Personal
    Während Frauen noch mehr als die Hälfte der Bachelor- und Master-Studierenden (knapp 55 %) bzw. Graduierten (gut 58 %) ausmachen und noch fast die Hälfte aller Promotionen für sich verbuchen (48 %), sinkt ihr Anteil immer weiter, je weiter es die wissenschaftliche Karriereleiter hinauf geht. Besonders gering ist der Anteil von Frauen an Grade-A-Professuren. Insgesamt machen Frauen 43,6 % des Hochschulpersonals aus (in Deutschland (DE) 41,8 %).
       
  • Frauenanteil an Grade-A-Positionen, d. h. an den höchstdotierten Professuren (in DE sind das W3/C4)
    Der Frauenanteil in den höchsten Positionen im Hochschulsystem wird noch genauer betrachtet. EU-weit hat nur ein geringer Aufwuchs stattgefunden, was den Anteil von Frauen in Grade-A-Positionen (also W3/C4) angeht: von 27,3 % im Jahr 2019 auf 29,2 % im Jahr 2022. DE findet sich mit 23,8 % deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 29,2 %. Den höchsten Frauenanteil findet man hier in Rumänien (51,4 %), Türkei (49,4 %) und Russland (47,8 %).
    Dabei ist zu bedenken, dass der Anteil von Personen, die eine Grade-A-Position innehaben, am gesamten Hochschulpersonal in DE sehr viel niedriger als im EU-Durchschnitt ausfällt.
    Entsprechende Zahlen gibt es auch nach Fächergruppen ausdifferenziert. Der höchste Frauenanteil in Grade-A-Positionen ist in den Sozialwissenschaften festzustellen, aber auch hier ist er geringer als der Männeranteil. Am geringsten fällt der Anteil in den MINT-Fächern aus. Und in DE ist der Frauenanteil in Grade-A-Positionen auch in sämtlichen Fächergruppen geringer als der EU-Durchschnitt.
    Auch lässt sich hier eine Unterscheidung nach Altersgruppen vornehmen; Frauen sind demnach in allen Altersgruppen weiterhin unterrepräsentiert in Grade-A-Positionen – außer in der Gruppe der unter 35-Jährigen, wo sie fast die Hälfte ausmachen (48 % im EU-Durchschnitt; in DE allerdings nur 26,3 %).
       
  • Glass Ceiling Index
    Der Glass Ceiling Index zeigt, wie viel schwieriger es für Frauen als für Männer ist, in die höchsten Positionen im Hochschulsystem aufzurücken. Er ist ein zusammengesetzter Index, der Ausprägungen von Null bis unendlich haben kann; bei 1 gäbe es keinen Unterschied für Männer und Frauen, was ihre Chancen betrifft, die Karriereleiter weiter hochzusteigen.
    Bei Werten unter 1 wären Frauen in Grade-A-Positionen überrepräsentiert; bei Werten über 1 sind es die Männer. Je höher also der Wert, desto schwieriger ist es für Frauen, im Hochschulsystem voranzukommen.
    Im EU-Durchschnitt ist der Indexwert von 1,42 zuletzt gleich geblieben. Für DE ist der Wert im gleichen Zeitraum etwas besser geworden: Von 1,69 für 2019 hat er sich auf 1,58 für 2022 reduziert. Am besten schneiden hier die Türkei, Bulgarien und Malta mit Werten nahe 1 ab.
      
  • Frauenanteil an Hochschulleitungen
    Auch der Anteil der Frauen, die Hochschulen leiten, ist geringer als der von Männern. Im EU-Durchschnitt beträgt der Frauenanteil an Hochschulleitungen rund 22 %, DE liegt mit fast 30 % inzwischen darüber. Die höchsten Frauenanteile verzeichnen derzeit die Türkei mit fast 59 % und Island mit genau 50 %.

Die She Figures erscheinen alle drei Jahre, die aktuelle Ausgabe ist bereits die achte. Sie beruhen auf Eurostat-Daten. Alle Zahlen beziehen sich auf weiter zurückliegende Jahre, in der aktuellen Ausgabe i. d. R. auf die Jahre 2021 oder 2022. Auf einer gesonderten Internetseite sind alle Informationen zu den She Figures gesammelt; dort kann man sich unter anderem auch Werte für einzelne Länder anzeigen lassen, so auch ein "country fiche" zu Deutschland.